Interview in MÄNNER Aktuell, Bruno Gmünder
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Die Lesung am 31.10.2007 im KunstTurm zu Weimar
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Am 27 August 2006 fand im Kaisersaal des Hotels Loreley in Königswinter unter dem Motto
'Zweiter literarischer Spätsommer' eine Lesung aus meinen Romanen statt.
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Kaisersaal
Das Literaturfeder Magazin druckte für die Ausgabe September 2006 ein Interview mit mir und ich fand mich gleichzeitig auf dem Titel wieder ;o)
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Ignoranz contra Toleranz? (Artikel für das Autorenfedermagazin)
Eine Denkschrift über homophobe Begriffsmängel in unserer Gesellschaft

Wie jede Frau, die über schwule Männer schreibt (und das sind mehr als man gemeinhin denkt), muss ich mir immer wieder die Frage nach dem ‚Warum' gefallen lassen. Tja, warum schreibe ich ausgerechnet über Schwule, gibt es nicht genug andere Themen für mich? Selbsthilfebücher, Kinderbücher, Kochbücher oder Liebesromane alá Bollywood? Heißt es nicht, Schuster, bleib bei deinen Leisten bzw. Frau, bleib bei den Themen, von denen du was verstehst und die deinen Ruf nicht ruinieren? Tja, nun wurde mir oft bescheinigt, dass ich eine Menge von dem verstehe, über das ich schreibe. Und jetzt? Was stimmt nicht mit mir, dass ich mich mit so etwas erstens auskenne und es zweitens nicht mal für nötig halte, es geheim zu halten!? Und wie ist es möglich, dass ich auch noch beträchtlichen Erfolg damit verzeichnen kann und den nicht nur bei Schwulen?! Ich habe eine erstaunliche Anzahl von Leserinnen und hörte tatsächlich sogar von dem einen oder anderen heterosexuellen Mann, der meine Bücher zu schätzen weiß. Komische Sache das ...

Ich denke, mit mir und meinen Leserinnen und Lesern ist alles in bester Ordnung, wir sind es nicht, die unsere Einstellung überprüfen sollten. Es sind in unserer Gesellschaft wohl eher die hemmungslos Konservativen jeden Alters, die in Punkto schwule Männer immer noch mit Scheuklappen unterwegs sind. Sei es, um eigene Neigungen zu verdecken, denn wer Schwule offensichtlich missachtet, kann doch unmöglich einer von ihnen sein, richtig!? Vielleicht ist es aber auch, weil man sich vor allem Andersartigen fürchtet oder sich selbst als Vertreter von Moral und sittlicher Ordnung sieht, letztere kehren ja grundsätzlich nie vor der eigenen Haustür.

Schwule, die eignen sich doch immer wieder gut, um auf sie herabzuschauen ... schließlich kann man sich selbst auch erhöhen, indem man andere erniedrigt, das ist weniger anstrengend.

Dabei frage ich mich, was es eigentlich genau ist, was Schwulenhasser den Schwulen (und allen, die mit ihnen sympathisieren) vorwerfen. Ist es nicht vielleicht ihr eigenes, charakterliches Manko, weswegen sie keine Akzeptanz aufbringen können? Sind sie vielleicht geistig, emotional und vom Selbstbewusstsein her eher unterentwickelt und wollen lediglich davon ablenken, indem sie mit dem Finger auf andere zeigen? Oder muss man als Mann zustoßen und darf nicht hinhalten? Ich weiß es wirklich nicht.

Liebe ist ein Gefühl und Sex ein Trieb, beides kennen wir alle auf die eine oder andere Weise. Es ist okay, so lange alle Partner mit der Spielart einverstanden sind. Deswegen denke ich, man darf nie aufhören, darüber zu sprechen, nie aufhören den Menschen begreiflich zu machen, dass es nicht wirklich Unterschiede zwischen schwuler, lesbischer oder heterosexueller Liebe gibt.
Ich schreibe darüber - nicht mit erhobenem Zeigefinger, rein technisch oder aus einem wissenschaftlichen Aspekt heraus. Ich erzähle Geschichten, die von schwulen Männern handeln, ist das denn wirklich ein Problem? Im Zuge dessen freue ich mich immer wieder, dass die Toleranz im Großen und Ganzen heute doch soweit gediehen ist, dass sich meine Leserschaft unbeirrt mehren kann und das auch fleißig tut. Es besteht also noch Hoffnung, dass die Fragen zu meiner Arbeit irgendwann in der Zukunft einen anderen Mittelpunkt haben.

A.C. 2006